Historie

Chronik des Hauses “Brüggen Schenke” –
Restaurant “Zur Linde”

Erste Erwähnung

  • Um 1520 vor also fast 500 Jahren
  • Im Urbar 1556 – vor 460 Jahren
  • Seit 1525 im Familienbesitz
  • Gastlichkeit seit über 340 Jahren
  • Wirtshaus – Poststation – Kolonialwarenladen – Bäckerei – Drogerie – Bank

Haus gemalt

So war es um 1556

Die Geschichte des Hauses dürfte allerdings noch weiter zurückliegen, denn im Jahre 1525 stand bereits der erste Bauernhof, welcher im Jahre 1556 im Urbar der Grafschaft Ravensberg als Besitz urkundlich erwähnt wird. Zu jener Zeit ist es ein zum Maierhof gehörender Kötterhof gewesen, welcher später eigenständig wurde. Auf diesem Grund wurde dann im Jahre 1675 der jetzt noch bestehende Bau angebaut. Umgebaut wurde das Haus von Ilsabein auf der Brüggen und Hinrich Astrot in den Jahren 1675 bis 1677. Ende der Bauzeit war wohl der 24. April 1677, wie auf dem geschnitzten Torbalken heute noch zu lesen ist.

Das nächste historische Datum ist das Jahr 1752, in dem ein größerer Umbau stattfand; unter anderem wurde ein Treppenaufgang, welcher auf einem schweren Eichenschrank ruht, mit dazugehörigen Zimmern errichtet und die Fenster wurden vergittert, denn inzwischen hatte die “Bank der Bauern und Landwirte” in der “Brüggen Schenke”, so der alte Gasthausname, ihr Domizil. Auch die Postkutschen, die zu dieser Zeit über den Postdamm ihren Weg nach Westen Richtung Köln und Osten Richtung Berlin befuhren, machten Station in der alten Schenkwirtschaft in Isselhorst. Die Pferde wurden gefüttert und auch gewechselt, auch von „zu Pferde” Reisenden, oder die Fahrgäste und Reiter blieben übernacht und Sie wurden mit dem “Besten” aus Keller und Küche bewirtet. Nicht nur die Salzschmuggler, die über den Postdamm Salz in das Ravensberger Land schmuggelten, wickelten ihre Geldgeschäfte mit der Bank ab, sondern auch größere Firmen aus Bielefeld und Gütersloh.

Die Familie Ortmeyer ist seit Mitte des vorvorigen Jahrhunderts im Hause; denn im Jahre 1873 heiratete Karl Heinrich Ortmeyer, aus Enger, er war Tabakfabrikant in Bielefeld, die Witwe Margarethe Grimm, geb. Zum Winkel.

Zu dieser Zeit erfreute sich das Brot aus dem alten Steinofen immer größerer Beliebtheit. Viele Gäste nahmen sich nach einem Besuch in der Gaststätte ihr Brot und ihren sonstigen Bedarf aus dem Kolonialwarengeschäft und der Drogerie, die im jetzigen Thekenbereich eingerichtet waren, gleich mit. Im Jahre 1912 wurde ein neues Backhaus mit Stein- Backofen hinter der heutigen Küche gebaut. Bis zu dieser Zeit wurde noch in der “alten Küche” gebacken. Im Jahre 1952 wurde im Backhaus wieder ein neuer und größerer Stein – Backofen errichtet. Auch heute spendet er in der Winterzeit noch eine wohlige Wärme für das Haus. Auch die “Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft” war hier zu Hause. Geschäftsführer dieses Verbandes war der Lehrer und Gastwirt Gustav Ortmeyer, der Uropa des heutigen Besitzers. Gustav Ortmeyer und seine Frau Frieda, geb. Hielmann verkauften hier alles was auf den Bauernhöfen gebraucht wurde; von Pferdegeschirren angefangen über Holzschuhe, Holzharken, Melkschemeln, Eimern, Dreschflegel, Holzsensen bis zu Düngemitteln und Saatgütern.

Der heutige Name der Gaststätte “Zur Linde” geht auf den uralten Lindenbaum zurück, der bis zum Jahre 1940 vor dem Hause stand und in einem schweren Sturm umstürzte. An warmen Sommertagen war der Baum, der durch eine Leiter bestiegen wurde, zuweilen besser besetzt als die Gaststätte. An den dicken, strahlenförmig ausgebreiteten Ästen waren Stühle und Bänke befestigt, auf denen auch die Dorfmusikanten platz nahmen und in lauen Sommernächten zum Tanz aufspielten.

Vieles im Hause Ortmeyer erinnert an die gute alte Zeit. Da gibt es eine  “Flachsbracke”, “Haspel”, “Spinnrad”, “Scheffelmaß” und eine “Uhralte” Kastenuhr. Durch mehr als 300 kleine Fensterscheiben, einzigartig in Nordrhein-Westfalen, die zum größten Teil noch aus der Entstehungszeit stammen, fällt das Licht in die gemütlichen Gasträume. Am 1.1.1950 übernahm Rolf Ortmeyer senior, nachdem er als letzter Isselhorster aus russischer Gefangenschaft Weihnachten 1949 entlassen worden war, die Gastwirtschaft. Im Jahre 1945 sind Frida Ortmeyer und im Januar 1949 Gustav Ortmeyer, seine Eltern, die vormaligen Besitzer, verstorben.

Nach der Heirat am 18. September 1951, baute Rolf mit seiner Frau Anneliese 1952 einen neuen Backofen in der Bäckerei und später im Jahre 1957/58 erichteten sie ein Lebensmittelgeschäft auf der früheren Deele. Dieses Kolonialwarengeschäft versorgte die Isselhorster Bürger mit eigenen Backwaren und Lebensmitteln, wie Graubrot, Schwarzbrot, Kuchen und Brötchen vom Bäckermeister Rolf sen., Eier, Obst und verschiedenen Gemüsesorten aus eigenem Anbau und ebenso von der Edeka Genossenschaft erhaltene Waren, wo das Geschäft später angeschlossen war. Hier standen auch Luise und Gottfried Reincke, die Eltern von Anneliese, viele Jahre hinter dem Tresen.

Im Jahre 1966 ist ein Saal mit Kaminzimmer angebaut worden und eine große Gartenterrasse bietet im Sommer eine Ruheoase mit alten Baumbeständen, in der heutigen hektischen Zeit. Auch die Küche wurde 1966 und 1972 erweitert um die größeren Feiern mit Speisen und Spezialitäten zu bekochen. Die alten Kuhställe wurden im Oktober 1968 zu Lagerräumen umgebaut. Die Außenfassade wurde 1982, durch den Malermeister Wilfried Riewe und dem junior Rolf wieder in seinen alten Zustand gebracht. Es wurden die Latex- Faben und Zement- Frevel entfernt und durch offenporige Anstriche ersetzt.

Die heutigen Eigentümer, der Gastwirt und Küchenmeister Rolf Ortmeyer jun. und seine Frau Gerda, haben im November 1988 die beiden Zwischen- Räume zum Saal hin, durch eine Zimmerei aus Clarholz, in ihren Uhrzustand zurück versetzt. Die alten Eichenbalken wurden wieder sichtbar und die Felder neu ausgeschmiert. Eine Eichenbretter- Vertäfelung gab dem Raum wieder sein altes Flair zurück. Im Februar 1997 wurden neue Tief- und Kühlhäuser angebaut. Der Saal wurde im März 1998 vom Junior renoviert und eine neue Decke wurde eingezogen.

Ende des Jahres 1998 wurde der Lebensmittelladen, nach langen Überlegungen mit den Eltern und 40 jähriger Beständigkeit, vom Junior Rolf an das Westfälische Freilichtmuseum Detmold abgegeben. Mit der Auflage den Laden in den nächsten Jahren wieder aufzubauen wurde alles zusammengepackt und nach Detmold zur Aufarbeitung abtransportiert. In den leerstehenden Räumen entstand Anfang 1999, nach längeren Renovierungsarbeiten ein Feuerwehr- Museums- Café, welches am 28. Mai 1999 eröffnet wurde. Das Museum verfügt über 45.000 Feuerwehr- Exponate aus der ganzen Welt. Der Arbeitsgemeinschaft Feuerwehrmusen Deutschlands gehört Rolf jun. ebenso an, wie dem Feuerwehr Museum Quernheim. Heute gibt es hier Kaffee, Tee und selbstgebackenen Kuchen, ebenso können Familienfeiern und Kindergeburtstage gebucht werden.

Im Dezember 1999 ist der Rückbau durch den Junior und die Neulegung des alten historischen Pflasters vor dem Hause durch einen Fachmann aus Tudorf bei Paderborn hervorragend gelungen. In den Sommermonaten erfreuen sich Radfahrer und Spaziergänger unter den Linden, auf Biergarten Garnituren, bei einem kühlen Bier.

Im Januar 2009 begann der Junior mit der Renovierung des “Jagdzimmers”, da es im Vorjahr durchgeregnet hatte. Es befanden sich noch alte original Lehmgehfache von 1525 in dem Raum. Da die Eichenfußfetten schon sehr stark in Mitleidenschaft getreten waren, wurden sie durch altes Eichenholz ersetzt. Um die Strucktur der Wände zu erhalten, wurde von Rolf junior alles mit dem alten vorhandenen Lehm wieder, mit der Hand, angeputzt. Fertigstellung Pfingsten 2013.  Im Dezember 2008 wurde mit der Erweiterung des Feuerwehrmuseums in einem der angrenzenden Lager begonnen und ebenso in den alten Schweineställen.

Am 31. Dezember 2008 übernahm der Küchenmeister Rolf Ortmeyer junior die traditionsreiche Gaststätte von seinem Vater Rolf Ortmeyer Senior.

Am 23.12.2009 wurde das Haus “Zur Linde” vom Bund für Heimat und Umwelt als Historisches Wirtshaus Deutschlands, von dreien in NRW, ausgezeichnet.

Im September 2013 übernahm Rolf  das 20 000 Liter Schnaps- Fass der Firma Elmendorf in seine Obhut.

Die Tradition des Hauses wird durch den Junior, der bereits in heimischen und internationalen Häusern gearbeitet hat, und seiner Frau Gerda fortgeführt. Die Familie mit ihren drei Kindern, Kim Nadine (Diplom Biologin), Ellen Katrin (Restaurant- Fachfrau), bereits seit 2010 mit im Betrieb und Till Rolf (Koch), bieten Gewähr dafür, dass die über 460 jährige Tradition der “Linde” im Sinne der Familien Ortmeyer erhalten bleibt.

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